Positionen für Auszubildende

Niemand kennt die Interessen und Bedürfnisse der Auszubildenden besser als ihr selbst. Deshalb brauchen wir engagierte junge Mitglieder, die bereit sind, loszugehen. Die sich stark machen wollen – gegenüber den Arbeitgebern genauso wie innerhalb von ver.di.

Denn die Forderungen von Auszubildenden müssen in die internen Gremien von ver.di getragen werden, in die Tarif- und Verhandlungskommissionen und damit direkt in die Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern.

Grundsätzliches: Das wollen wir in der Tarifpolitik

Zwei Grundsätze sind für die Arbeit von Jugend- und Auszubildendenvertretungen in der Tarifpolitik von besonderer Bedeutung. Sie sind unsere wichtigste Position für die Aushandlung von Ausbildungsbedingungen mit den Arbeitgebern.

  • Die Tarifkommissionen dürfen sich unter keinen Umständen auf Verhandlungen einlassen, deren Ziel die Zahlung eines leistungsbezogenen Entgelts für Auszubildende ist.
  • Die Ausbildungsvergütungen dürfen nicht negativ von der allgemeinen Entwicklung des Entgeltvolumens abgekoppelt werden, sie dürfen also nicht sinken, wenn die anderen Entgelte steigen.

Doch unsere Forderungen gehen noch weit über die zwei genannten Punkte hinaus.

Im Folgenden haben wir die Positionen mit Fokus auf Auszubildende kurz zusammengefasst, unsere Positionen für junge Beschäftigte findet ihr hier.

Trotz dieser Aufteilung vertreten wir unsere Positionen grundsätzlich immer für alle Beschäftigten- und Altersgruppen.

Mehr Ausbildungsplätze

Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften wird in den nächsten Jahren weiter steigen, denn unsere Gesellschaft wird immer älter.

Daher wollen wir eine Mindestanzahl von Ausbildungsplätzen pro Betrieb oder Unternehmen in den Tarifverträgen festschreiben.

Übernahme aller Auszubildenden

Alle Auszubildenden müssen nach ihrer Ausbildung vom Betrieb übernommen werden, unbefristet, nahe an ihrem Wohnort und in eine Stelle, die ihrer Ausbildung entspricht. Denn erst mit Berufserfahrung haben junge Menschen eine echte Perspektive in der Arbeitswelt.

Damit in den Betrieben Platz für die jungen Kolleg_innen ist, treten wir für Arbeitszeitverkürzung und den Abbau von Überstunden ein. Das schont auch die Gesundheit der Belegschaft.

Eine Ausbildungsvergütung, von der man leben kann

Von Arbeit muss man leben können, auch während der Ausbildung. Deshalb fordert die ver.di Jugend die Einführung existenzsichernder Ausbildungsvergütungen für alle Auszubildenden. Darunter verstehen wir, dass alle ihren Lebensunterhalt allein bestreiten können müssen, ohne auf Unterstützung durch Eltern, Partner_in oder Staat angewiesen zu sein.

Daneben fordern wir, dass Ausbildungsvergütungen prozentual an den Ecklohn angebunden werden, um sie nicht von der Einkommensentwicklung im Tarifbereich zu entkoppeln.

Was ist ein Ecklohn?
Der Ecklohn dient in Tarifrunden als Verhandlungsgegenstand und stellvertretend für die anderen Tariflöhne.

Es handelt sich dabei um den für eine mittlere Beschäftigtengruppe tariflich festgesetzten Stundenlohn, aus dem sich im Anschluss die Tariflöhne für die übrigen Gruppen durch einen prozentualen Zu- oder Abschlag errechnen lassen. Das Verhältnis dieser Beschäftigtengruppen untereinander muss dazu anhand einer exakten Arbeitsbewertung festgelegt werden.

Gute Ausbildung und Weiterqualifizierung

Eine gute Ausbildung ist wichtig, nicht für die Auszubildende, sondern auch für die Unternehmen.

Daher fordern wir, dass verbindliche Regelungen für die Qualität der Ausbildungen in den Tarifverträgen festgeschrieben werden: Wir brauchen ein gut ausgebildetes Ausbildungspersonal und breite und umfassende Ausbildungsinhalte. Zudem müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen für die Ausbildung und die betrieblichen Ausbildungspläne eingehalten werden.

Daneben wollen wir zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen für Auszubildende und junge Beschäftigte schaffen. Denn gerade wenn Auszubildende nicht übernommen werden, sind vielfältige Qualifikationen besonders wichtig, um auf dem Arbeitsmarkt eine gute Chance zu haben.

Diskussion innerhalb der ver.di Jugend

Natürlich werden die Tarifforderungen auch innerhalb der ver.di Jugend geführt – in den zuständigen Jugendgremien des jeweiligen Fachbereichs auf der jeweiligen Ebene.

Auf Bundesebene ist das der entsprechende Bundesfachbereichsjugendfachkreis, auf Länderebene der betreffende Landesfachbereichsjugendfachkreis. Sie werden von den Vertreter_innen einer Branche in den Bezirken beziehungsweise in den Landesbezirken gebildet.

Die ver.di Jugend hat tarifpolitische Eckpunkte erarbeitet, die den Tarifkommissionen eine Orientierung für die Aufstellung von jugendgerechten Forderungen an die Arbeitgeber geben. Und sie sollen euch dabei unterstützen, wenn ihr eigene Forderungen formuliert.

Die Eckpunkte werden regelmäßig innerhalb der ver.di Jugend diskutiert und weiterentwickelt.