Bequem war gestern

  • Illustration: Kampagne zur Tarifbewegung 2016 / ver.di Jugend

Endgültig beschlossen: Wir sind besser unbequem!

Unsere Forderungen stehen fest: Schluss mit der Bequemlichkeit für die Arbeitgeber und Dienstherren! Der öffentliche Dienst wurde jahrelang kaputtgespart. Durch zusätzliche Aufgaben, wie jetzt aufgrund der hohen Zahl geflüchteter Menschen, geraten viele Verwaltungen und Betriebe des öffentlichen Dienstes an ihre Grenzen.

Nach Jahren der Lohnzurückhaltung, des Personalabbaus und der Überforderung durch zusätzliche Aufgaben fordern wir endlich mehr Entlastung, bessere Ausbildungsqualität und echte Zukunftsperspektiven. Unsere Arbeitgeber mögen das unerhört oder überzogen nennen. Doch wir bleiben dabei: besser unbequem!

Dreist – 30 Tage Urlaub für alle Auszubildenden

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben einen tarifvertraglichen Anspruch auf 30 Urlaubstage pro Jahr. Das muss natürlich auch für Auszubildende gelten, denn es gibt keinen stichhaltigen Grund, ihnen zwei oder drei Tage weniger Urlaub einzuräumen.

Ganz im Gegenteil: Auch Auszubildende haben ein großes Erholungs- und Regenerationsbedürfnis! Schließlich müssen sie nicht nur den praktischen Anforderungen der betrieblichen Ausbildung gerecht werden, sondern auch die theoretischen Lerninhalte auf dem Schirm haben – häufig auch über die regulären Berufsschulzeiten hinaus.

Gierig und Utopisch – Arbeitgeberbeitrag zur Steigerung der Ausbildungsqualität

Fachbücher, Gesetzestexte und weitere Materialien, die für die Ausbildung notwendig sind, müssen Auszubildende ganz oder teilweise selbst bezahlen – was mitunter hohe Zusatzkosten verursacht, gerade für schmale Geldbeutel in der Ausbildung.

Gute Ausbildung heißt allerdings, nicht aus ökonomischen Gründen an der falschen Stelle sparen zu müssen. Unsere Arbeitgeber sollten also diesen wichtigen Beitrag zu besserer Ausbildungsqualität leisten und die Kosten für notwendige Ausbildungsmittel übernehmen!

Flexibel sollen Auszubildende heute sein. Für die Ausbildung müssen wir schon mal ans andere Ende der Republik ziehen. Und selbst wenn es nur in die nächste Kreisstadt geht, fallen bei vielen Auszubildenden enorme Fahrtkosten an.

Arbeitgeber sollten uns an diesem Punkt entlasten! Im Hinblick auf den Wettbewerb um gute Nachwuchskräfte ist das auch im Sinne der Arbeitgeber, denn dadurch wird die Ausbildung im öffentlichen Dienst wieder attraktiver.

Unbezahlbar – unbefristete Übernahme im erlernten Beruf

Junge Menschen brauchen sichere Zukunftsperspektiven. Und damit eine verbindliche tarifliche Regelung zur Übernahme. Wie sonst sollen wir die Berufserfahrung sammeln, die in den meisten Stellenausschreibungen gefordert wird?

Von einer verbindlichen Übernahmeregelung profitieren übrigens nicht nur die Auszubildenden: Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst leiden unter der zunehmenden Arbeitsverdichtung, weil freiwerdende Stellen nicht neu besetzt werden.

Obendrein ist die Beschäftigtenstruktur im öffentlichen Dienst enorm überaltert. In den nächsten Jahren wird ein Fünftel der Beschäftigten bei Bund und Kommunen altersbedingt aus dem Dienst scheiden, der Wettbewerb um Fachkräfte wird sich verschärfen.

Nicht zuletzt sollten auch die Arbeitgeber Interesse an einer langfristig sicheren Personalplanung haben – durch die Übernahme von qualifizierten Fachkräften!

Kurz gesagt: Übernahme schafft Perspektiven, und zwar für Auszubildende ebenso wie für Beschäftigte und Arbeitgeber!

Unerhört – sechs Prozent mehr Geld

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund, Kommunen und kommunalen Betrieben leisten für unsere Gesellschaft notwendige, qualifizierte und hochwertige Dienste! Und doch bleibt bisher die Einkommensentwicklung um fast vier Prozent hinter der Gesamtwirtschaft zurück. In der Industrie haben die Einkommen im gleichen Zeitraum sogar um zehn Prozent zugenommen!

Gleichzeitig sprudeln die Steuereinnahmen durch die gute Konjunkturentwicklung. Nach der jüngsten Steuerschätzung von November 2015 wird für 2016 bis 2019 ein Steuerplus von 15,1 Prozent beim Bund und von 14,5 Prozent bei den Kommunen erwartet. Bereits 2015 sind die Steuereinnahmen gegenüber dem Vorjahr um 4,0 Prozent (Bund) bzw. 4,9 Prozent (Kommunen) gestiegen.

Höhere Löhne und Gehälter haben schließlich auch einen positiven Einfluss auf die Konjunktur! Denn gerade in Zeiten eines schwächelnden Welthandels wird der private Konsum immer wichtiger für das Wirtschaftswachstum.

Überzogen – 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung

Steigende Lebenshaltungskosten treffen Auszubildende in besonderem Maße. Und da wir am unteren Ende der Entgelttabellen stehen, hat eine rein prozentuale Erhöhung unserer Vergütung nur einen sehr geringen Effekt.

Nachdem viele für ihre Ausbildung einen eigenen Haushalt gründen müssen, steigen auch die Kosten für die eigene Unterkunft. Dazu kommen Kosten für Kommunikation in der Mediengesellschaft, also für einen Computer oder Internetanschluss.

Das Spannende daran für Arbeitgeber: Eine gute Ausbildungsvergütung macht es für junge Menschen erheblich attraktiver, sich für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst zu entscheiden! Und zwar unabhängig davon, ob in einer Beamtenlaufbahn oder als Angestellte_r, denn das Tarifergebnis soll zeit- und wirkungsgleich auf die Beamtinnen und Beamten übertragen werden.

Soweit die zentralen Punkte, für die wir uns in der Tarifrunde gemeinsam starkmachen – und zwar #besserunbequem! Seid dabei und schiebt mit an: in den Betrieben und Dienststellen, in der Öffentlichkeit und natürlich online, zum Beispiel auf unserem Kampagnenblog!