Jetzt wird´s unbequem

  • Illustration: Kampagne zur Tarifbewegung 2016 / ver.di Jugend

In der Tarifrunde im öffentlichen Dienst liegen die Positionen zwischen den Arbeitgebern und ver.di weit auseinander. Das wurde beim Auftakt der Verhandlungen am 21. März 2016 deutlich: Die Arbeitgeber legten kein Angebot vor und nannten die Forderungen der Gewerkschaft unangemessen und überzogen.

„Wir hatten befürchtet, dass die Arbeitgeber in ihre traditionellen Verhandlungsrituale verfallen, haben angesichts der Situation im öffentlichen Dienst allerdings kein Verständnis für so verbohrte Blockadehaltungen“, kommentiert André Zeitler, Vorsitzender der ver.di Jugend, den Verhandlungsauftakt.

Tatsächlich steht der öffentliche Dienst vor einigen Herausforderungen für die kommenden Jahre. Das Personal ist überaltert und gleichzeitig verliert die öffentliche Hand als Arbeitgeber für junge Fachkräfte immer mehr an Attraktivität. Dazu kommt der zunehmende Stellenwert des Binnenmarktes für die gesamte Volkswirtschaft. Für die Konjunktur sind daher kräftige Lohnsteigerungen unerlässlich, wie auch Peter Bofinger, der Wirtschaftsweise der Bundesregierung, bestätigte.

Ein Viertel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist über 55 Jahre alt. In der gesamten Wirtschaft liegt dieser Anteil nur bei 17 Prozent. Und das liegt vor allem an mangelndem Nachwuchs im öffentlichen Dienst. Nachdem die Gehälter hier jahrelang wesentlich langsamer wuchsen, ist der Abstand zur Gesamtwirtschaft ein ernsthaftes Hindernis.

„Der öffentliche Dienst hat ein massives Nachwuchsproblem. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir umsteuern müssen, wenn es auch in Zukunft eine funktionierende Verwaltung und Infrastruktur in diesem Land geben soll“, so Zeitler. Und das Geld ist da. Der Bund und die Kommunen rechnen bis 2019 mit einem Plus von 14 Prozent bei den Steuereinahmen.

Die Gewerkschaftsjugend fordert unter anderem einen Arbeitgeberbeitrag zur Steigerung der Ausbildungsqualität, die unbefristete Übernahme im erlernten Beruf und 30 Urlaubstage auch für Auszubildende. Im Rahmen ihrer bundesweiten Kampagne zu den Tarifrunden 2016 hatte sie bereits angekündigt, unbequem zu werden.

„Wir werden mit lauten und bunten Aktionen für einen zukunftsfähigen öffentlichen Dienst werben – bei den Kolleginnen und Kollegen und auch in der Öffentlichkeit“, kündigt Zeitler an. „Bis zur zweiten Verhandlungsrunde wird es für die Arbeitgeber ganz schön unbequem werden, das steht fest!“