Tarifeinigung im Bankgewerbe erzielt

  • Foto: ver.di Finanzdienstleistungen

Gehaltserhöhung gegen den harten Widerstand der Arbeitgeber durchgesetzt

Die Arbeitgeber des privaten und öffentlichen Bankgewerbes und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di einigten sich in der vierten Runde der Tarifverhandlungen am Dienstag, 12. Juli 2016, auf eine leichte Erhöhung der Gehälter für Auszubildende und Beschäftigte. 

Die Tarifverhandlungen waren äußerst schwierig verlaufen. Die Arbeitgeberseite hatte die Verhandlungen bockig blockiert und die Zukunft der Branche in düstersten Farben gezeichnet. Aufgrund der immer größeren Streikbereitschaft von mehreren tausend Beschäftigten bis zur vierten Tarifrunde konnte die Gewerkschaft eine Nullrunde bei den Entgelten verhindern.

Was für die Auszubildenden herausspringt
Für Auszubildende konnte ver.di beim Tarifabschluss in Wiesbaden immerhin eine Erhöhung der Vergütung um 50 Euro ab dem 1. Oktober 2016 vereinbaren.

Darüber hinaus wird es weitere Gespräche zur Attraktivität des Ausbildungsberufs geben. Beginnend mit einem „Ausbildungsgipfel“ wollen die Tarifparteien dabei ausloten, wie der Beruf wieder attraktiver für junge Menschen gestaltet werden kann. Auch sollen die Qualität der Ausbildung sowie die Entwicklungs- und Zukunftsperspektiven für Auszubildende endlich besser werden.

Ergebnisse des neuen Tarifvertrags für die Beschäftigten
„Die Arbeitgeber haben ihre Branche als Krisenbranche dargestellt und ein Bild der Düsternis für die Zukunft gezeichnet. Der Tarifabschluss war nur mit großen Anstrengungen erreichbar. Dieser berücksichtigt das herausfordernde Branchenumfeld  und sichert vorerst die Zukunft des Flächentarifvertrages“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Christoph Meister. „Ohne den Einsatz und die Streikbereitschaft vieler Beschäftigter wäre ein neuer Gehaltstarifvertrag überhaupt nicht möglich gewesen.“

Die Gehälter in der Bankenbranche werden demnach in drei Stufen um zunächst 1,5 Prozent zum 1. Oktober 2016, um weitere 1,1 Prozent ab 1. Januar 2018 sowie abermals um 1,1 Prozent ab 1. November 2018 angehoben. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 33 Monaten. Das Ergebnis bleibt damit weit hinter den Forderungen der Gewerkschaft zurück. Aufgrund der sehr geringen Inflationsrate bedeutet es aber dennoch eine Reallohnsteigerung. Ein höherer Gehaltsabschluss ist nur erreichbar, wenn sich künftig deutlich mehr Bankbeschäftigte in ver.di organisieren und für ihren Tarifvertrag auch einsetzen.

Perspektiven für die Außertariflichen
Bis zum Beginn der nächsten Tarifrunde wollen die Tarifparteien eine Reform des Tarif-Entgeltsystems erarbeiten. Auch Beschäftigte mit außertariflicher Bezahlung sollen dann in den Tarifvertrag integriert werden und könnten damit auch unmittelbar von tariflichen Entgeltsteigerungen profitieren.

Große Streikbereitschaft im Vorfeld der Einigung
Der Einigung vorausgegangen waren in den vergangen Wochen Arbeitsniederlegungen im gesamten Bundesgebiet, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Dies ist umso beachtlicher, als die Ferienzeit anstand.

Doch die Wut auf das niedrige Gehaltsangebot der Arbeitgeberseite hatte Beschäftigte und Auszubildende motiviert, auf die Straße zu gehen. Sie machten mit zahlreichen Aktionen deutlich, dass sie absolut gar nichts von der „Mogelpackung“, wie Meister das Arbeitgeber-Angebot der dritten Runde bezeichnet hatte, hielten.  

Der Tarifabschluss – kein Meilenstein
Die Mehrheit der Beschäftigten in der Kreditwirtschaft konnte sich in Tarifabschlüssen im ersten Halbjahr dieses Jahres tarifvertragliche Gehaltssteigerungen von deutlich mehr als zwei Prozent sichern.

Im Vergleich dazu ist der Abschluss für das private und öffentliche Bankengewerbe zwar als Fortschritt, aber leider nicht als Meilenstein auf dem Weg zu guten Arbeitsbedingungen und einem fairen Gehalt zu werten.